Porträt

Hanel gilt heute als führender politischer Zeichner in Deutschland. Generationen von Lesern sind mit seinen Karikaturen aufgewachsen: Walter Hanel, der unser Bild von Politikern wie Strauß und Kohl geprägt hat. Walter Hanel bringt das Wesentliche auf den Punkt, ohne lächerlich zu machen und ohne zu verletzen.

Mit heiterem Zorn  – 
der Karikaturist Walter Hanel

Ein Böhme, im Rheinland zu Hause

Walter Hanel ist immer gut informiert. Er schaut im Alltag und besonders im Fernsehen genau hin, wie seine Protagonisten reden, zum Rednerpult gehen, wie sie miteinander streiten und agieren. Man will diesem sensiblen Zeichner glauben, dass er bis zu seinem letzten Strich manchmal sogar zehn Stunden braucht. Tag für Tag witzig, ironisch und einfallsreich zu sein, kann harte Arbeit bedeuten. Dies bewältigt der überzeugte Böhme, der im Rheinland seine Wahlheimat fand, wie ein geborener preußischer Pflichtenmensch.

Wenn wir bei seinen Arbeiten länger hinschauen, dann wissen wir, was wir von uns zu halten haben.

Der verstorbene rheinische Kabarettist Hanns Dieter Hüsch über seinen Freund Walter Hanel. Hüsch musste es wissen. Er kannte Walter Hanel sehr gut; beide gehörten zu jenem linksliberalen Zirkel um den Kölner Gastronom Gigi Campi, dessen traditionelles Cafe auf der Hohe Straße in den Siebzigern zum beliebten Treff für Musiker, Intellektuelle, Journalisten und Politiker wurde. Der Fotograf Chargesheimer ging hier ein und aus, Heinrich Böll traf sich in diesem Cafe mit Günter Grass, sogar Caterina Valente kam auf einen Espresso vorbei.

Der Nesthocker und sein kritischer Blick

Walter Hanel ist ein Nesthocker, der Ruhe braucht. Er hat einen wachen, gezügelten Blick. Er kann mit den Augen denken. Weil er gründlich überlegt, ist er den Anderen überlegen. Er hat einen Blick für das Ganze, jedoch viel Sinn für das Detail. Er reduziert politisches und gesellschaftliches Geschehen und verpackt es in einer Zeichnung.

Was ihn zum Karikaturisten gemacht hat?

Vielleicht war es der Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945. Walter Hanel erlebte ihn mit, er war als fünfzehnjähriger Internatsschüler aus dem nicht weit entfernten Altenberg in die sächsische Hauptstadt geschickt worden, um den dort eintreffenden Flüchtlingen zu helfen.
„Nicht der eigentliche Angriff war das Schlimmste für mich, sondern der Tag danach, die zerstörte Stadt, die zahllosen Toten überall. Hätte ich das nicht gesehen, würde ich heute Blümchen malen“ – und Deutschland hätte seinen ältesten aktiven Karikaturisten nicht mehr.

Walter Hanel - Foto © Hein

Sein Atelier in Bergisch Gladbach - Wo die komischen Vögel ausgebrütet werden

Es könnte eine ganz normale gläserne Terrassentür sein – aber es ist das Schlupfloch zu einem Vogelnest. Ganz komische Vögel werden hier ausgebrütet, um dann hinauszuflattern über Land und sich in den großen Blätterwald zu hocken und Kunde zu bringen. Ganz ohne groß zu krächzen und zu kreischen übrigens, meist hocken sie nur da und gucken griesgrämig, und trotzdem wissen alle Bescheid. Hier ist die Schmiede der aktuellen Tagesspitzen, die punktgenau die Schlagzeilen und Leitartikel mit satirischem Bildkommentar und treffender, oft sarkastischer Pointe begleiten.

Immer wieder zieht es ihn an seinen Zeichentisch, auch wenn er gerade nicht nach Themen für aktuelle politische Karikaturen sucht. Überhaupt gibt es nur wenige Tage, an denen er nicht zeichnet. Auf diese Weise ist ein umfangreiches freies Werk entstanden, das in seiner Fülle und Qualität noch entdeckt werden will.

Vielbeachtet, aber heimatbezogen

Walter Hanel, Ehrenbürger Bergisch Gladbachs, hat für die großen Titel gezeichnet wie „Herald Tribune“, „Le Monde“, „Le Soir“, „Time Magazine“, „FAZ“ – und immer wieder den „Kölner Stadt-Anzeiger“, sein Stammblatt, sein Zuhause. Beide, Künstler wie Zeitung, halten sich seit Jahrzehnten die Treue.